Azimutalquadrant in der Sternwarte von Kloster Ochsenhausen

Einmaliges Zeugnis barocker Astronomie

Die Sternwarte

Die Astronomie galt im 18. Jahrhundert als die edelste Wissenschaft und Sternwarten waren Prestigeobjekte. Die Benediktiner von Ochsenhausen bauten die erste im süddeutschen Raum – Zeugnis für ihre Aufgeschlossenheit gegenüber den Wissenschaften im Zeitalter der Aufklärung.

Globus aus Kloster Salem, heute im Museum in Kloster Schussenried; Foto: Landesmuseum Württemberg

Globus aus Kloster Salem.

DAS WELTBILD VERÄNDERT SICH

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte Nikolaus Kopernikus seine Theorie veröffentlicht: ein Weltbild mit der Sonne als Zentrum und den Planeten, darunter die Erde, die sich um dieses Zentrum drehen. Obwohl sich damit die Bahnen der Planeten viel besser erklären ließen als mit allen bisherigen Versuchen, hielt man die Theorie für eine Spinnerei. Denn die Bibel bietet genug Stellen, an denen steht, dass die Erde der Fixpunkt des Universums sei. Doch schon um 1700 hatte sich unter Fachleuten das sonnenzentrierte Weltbild durchgesetzt.  – und im Lauf des Jahrhunderts wurde es Gemeingut.

Die südlichen Türme von Kloster Ochsenhausen

Der südliche Eckturm beherbergt die Sternwarte.

Eine teure Einrichtung

So konnte es geschehen, dass am Ende des 18. Jahrhunderts ein absolut modernes astronomisches Gerät zur Beobachtung der Gestirne und ihrer Bahnen zum technischen Prestigeprojekt im barocken Klosterneubau von Ochsenhausen wurde. 8.914 Gulden kostete die Sternwarte. Dennoch zögerte Abt Romuald Weltin nicht, den Ausbau der Sternwarte 1788 in Auftrag zu geben. Die Sternwarte mit drehbarer Kuppel wurde im südlichen Eckturm des Konventgebäudes untergebracht und mit einem sogenannten Azimutalquadranten versehen.

Azimutalquadrant in der Sternwarte von Kloster Ochsenhausen

Der imposante Azimutalquadrant.

Einer der grössten seiner Zeit

Mit fast drei Metern Höhe zählt der Azimutalquadrant zu den größten seiner Zeit. Das astronomische Messinstrument diente dazu, die Position von Gestirnen zu bestimmen. Beim Anvisieren konnte ihre Höhe über dem Horizont an der Gradeinstellung des Viertelkreises abgelesen werden. Der Quadrant war in Fragmenten erhalten und wurde von 1985 bis 1989 ergänzt und restauriert.

Bildnis des Ochsenhausener Mönchs Pater Basilius Perger

Von ihm entworfen und berechnet.

Der Erbauer des Quadranten

Das Porträt zeigt den Ochsenhauser Mönch Pater Basilius Perger (1734–1807), Astronom und Professor der Mathematik. Er weist auf den Bau der Sternwarte im Hintergrund des Bildes hin: Nach seinen Berechnungen und Entwürfen wurde der Quadrant 1793 angefertigt.

Versenden
Drucken