Kloster Ochsenhausen mit Statue im Vordergrund

Die Mönche und ihre Untertanen

Ämter rund um das Kloster

Der Klosterstaat war eine lebendige Gemeinschaft von Mönchen und ihren Untertanen. Im Kloster selbst existierte eine Frühform von Demokratie, denn der Abt wurde von den Priestermönchen gewählt. Kontaktperson für die Untertanen war der Zellerar, der den Klosterstaat verwaltete.

Bildnis des hl. Benedikt auf einer Wandmalerei in der Prälatur von Kloster Ochsenhausen

Benedikt schrieb die Regeln des Ordens fest.

Beten und arbeiten

Das berühmte „Ora et labora“, aus dem Lateinischen „Bete und arbeite“, ist die wichtigste Forderung des Ordensgründers Benedikt von Nursia. Der heilige Benedikt wollte, dass die Mönche des Benediktinerordens in einem fruchtbaren Wechsel von Gebet und Arbeit lebten. Das bedeutete, dass auch die Priestermönche Aufgaben und Verantwortung übernahmen. Daraus entwickelten sich die verschiedenen Ämter im Kloster.

Ämter im Kloster – eine Auswahl

  • Abt: wird von den Mönchen gewählt und hat im Kloster die absolute Weisungsbefugnis. Er vertritt das Kloster nach außen und lebt in einem gesonderten Gebäude, dem Abtshaus, außerhalb der Klausur.
  • Prior: ist Stellvertreter des Abtes, auch der Leiter von Außenstellen des Klosters, den sogenannten Prioraten.
  • Zellerar: ist der oberste Verwalter, zuständig für alle Betriebe.
  • Sakristan (oder Mesner): ist zuständig für die Kirche und alles, was mit der Liturgie zusammenhängt.
  • Kantor: kümmert sich um den Chorgesang und in früherer Zeit auch um die Bücher
  • Bibliothekar: betreut die Bibliothek und ist verantwortlich für die Schreibstube.
  • Pförtner: verantwortet den Einlass von Besuchern an der Außenpforte der Klausur.
  • Infirmar (oder Krankenmeister): betreut die Krankenstation außerhalb der Klausur.
  • Hospitalis (oder Gastmeister): kümmert sich um das leibliche Wohl der Gäste und ist dem Zellerar unterstellt.
  • Novizenmeister: sorgt für die Novizen und in späterer Zeit auch für die Schüler der Lateinschule.
Federzeichnung von Kloster Ochsenhausen von Gabriel Bucelin aus dem Jahr 1630

Die Laienmönche versorgten die Priestermönche.

Laienmönche und Klosteruntertanen

Ursprünglich kümmerten sich Laienmönche – im Unterschied zu den Priestermönchen – um die Landwirtschaft des Klosters und um die notwendigen Handwerke. Sehr bald aber wurden diese Aufgaben von Klosteruntertanen in einer Vielzahl von Berufen übernommen. Sie bezahlten an das Kloster Steuern und unterstanden seiner Rechtsprechung. Todesurteile allerdings wurden vom Vogt, dem weltlichen Schutzherrn des Klosters, verhängt.

Gabler-Orgel in der Klosterkirche von Kloster Ochsenhausen

Der Orgelbauer zählte zu den Handwerkern.

Die Steuerschätzung von 1784

Die Steuerschätzung des Klosterstaates Ochsenhausen aus dem Jahr 1784 listet die folgenden Handwerker auf: 7 Krämer, 6 Gastwirte, 5 Schuhmacher, 4 Bäcker, 4 Schreiner, 4 Schneider, je 3 Sattler, Stricker, Zimmerleute, Barbiere, je 2 Glaser, Rotgerber, Schmiede, Maurer, Kaminfeger, Müller, Nagelschmiede, Wagner, und Weber, je 1 Uhrmacher, Seifensieder, Metzger, Färber, Hammerschmied, Buchbinder, Weißgerber, Orgelmacher, Schlosser, Rechenmacher, Käsehändler, Hutmacher, Siebmacher und Kupferschmied.

Versenden
Drucken