Prachtvoll erhaltene Barockanlage

Kloster Ochsenhausen

Musizierender Putto an der Gabler-Orgel in der Klosterkirche von Kloster Ochsenhausen; Foto: Stadtverwaltung Ochsenhausen
Tragisches Genie

Joseph Gabler

Der geniale Orgelbauer Joseph Gabler (1700–1771) aus Ochsenhausen hinterließ in Weingarten, Ochsenhausen und Zwiefalten grandiose Orgeln, bei denen er sowohl das Pfeifenwerk als auch den Vorbau schuf. Er gilt als einer der wichtigsten Orgelbauer der Barockzeit in Süddeutschland.

Gabler-Orgel in der Klosterkirche von Kloster Ochsenhausen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Er schuf die Königin der Instrumente.

Was weiß man über sein Leben?

Joseph Gabler erlernte im Kloster Ochsenhausen das Schreinerhandwerk. Erst auf der Wanderschaft kam er in Kontakt mit Orgelbauern. Von 1728 bis 1736 schuf er in Ochsenhausen seine erste große Orgel. Danach lebte er mit seiner Familie in Weingarten, wo er bis 1750 die große Orgel der Klosterkirche baute. Zu seinen weiteren Werken gehört die Chororgel in Zwiefalten. Die letzten Lebensjahre verbrachte er hochverschuldet in Bregenz. Dort wurde er beim Bau der Stadtkirchenorgel vom Schlag getroffen.

Detail der Orgel mit Registern und Manualen in der Klosterkirche von Kloster Ochsenhausen; Foto: Stadtverwaltung Ochsenhausen

Seine Orgeln sind wahre Meisterwerke.

Wie wird seine Arbeit heute beurteilt?

Gabler gilt heute, neben Johann Nepomuk Holzhey und Karl Joseph Riepp, als der bedeutendste Orgelbauer in Oberschwaben. In Weingarten und Ochsenhausen stattete er seine Orgeln mit einem freistehenden, also nicht an das Orgelgehäuse angebauten Spieltisch aus. Der Vorteil: Der Organist hatte freie Sicht zum Altar oder zum Dirigenten. Diese Anordnung wurde im 18. Jahrhundert von den meisten süddeutschen Orgelbauern übernommen.

Detail der Gabler-Orgel in der Klosterkirche von Kloster Ochsenhausen; Foto: Stadtverwaltung Ochsenhausen

Satan soll Gabler Hilfe versprochen haben.

War Gabler bei seiner Arbeit im Bund mit dem Teufel?

Die „Vox-humana-Sage“ bezieht sich auf die Große Orgel in Weingarten: Ist es möglich, mittels eines Orgelregisters die menschliche Stimme nachzuahmen? Weil Gabler trotz sorgfältiger Holzauswahl und einer Mischung spezieller Metalllegierungen erfolglos blieb, soll ihm der Satan Hilfe versprochen haben im Tausch für seine Seele. Dieses teuflische Register soll jedoch nur weltliche Lieder hervorgebracht haben. Da Gabler der von den Mönchen geforderte Ersatz aber gut gelungen sei, habe man ihm den Pakt mit dem Teufel verziehen.

Blick über den Spieltisch der Gabler-Orgel in der Klosterkirche von Kloster Ochsenhausen; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Hans Steinhorst

Um seine Arbeit ranken sich Legenden.

Gibt es wirklich einen Geheimhebel?

Ebenfalls auf Weingarten bezieht sich die Geschichte von einem Geheimhebel in der Orgel. Weil Gabler seinen Lohn nicht bekommen hatte, habe er heimlich einen einzigen Hebel umgelegt und die Orgel habe danach nur noch leise gewimmert. Das Kloster habe bezahlt und mit einem Griff habe Gabler die Orgel wieder zum Klingen gebracht. Diesen versteckten „Geheimhebel“ gibt es tatsächlich. Er ist eine Art Sperrventil, das die Windzufuhr regelt. Und dass die Mönche schlecht gezahlt haben, entspricht wohl auch den Fakten.

TIPP

Wenn Sie durch Oberschwaben reisen, können Sie die Orgel von Joseph Gabler in Ochsenhausen mit der Orgel von Karl Joseph Riepp in der Klosterkirche von Salem vergleichen. Achten Sie auf die regelmäßig stattfindenden Konzerttermine.

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